Danias Garten

Vom Pflanzen, Nähren, Blühen und Ernten…

Äquinoktium September 29, 2016

 

Mein Geburtstag ist im Herbst. Meistens ist es gerade der Abschied des Sommers, wenn die Nächte wieder kalt sind, die Tage sich aber oft noch aufwärmen und aufbäumen, und den Sommer nicht gehen lassen wollen.  Für eine kurze Zeit begegnen sich Tag und Nacht auf Augenhöhe.

Ich liebe diese Jahreszeit.  Schon seit der Grundschule ist dies mein Lieblingsgedicht:

Septembermorgen

Im Nebel ruhet noch die Welt,

Noch träumen Wald und Wiesen:

Bald siehst du, wenn der Schleier fällt,

Den blauen Himmel unverstellt,

Herbstkräftig die gedämpfte Welt

In warmem Golde fließen.

(Eduard Mörike)

 

Ich liebe es, weil es meiner Meinung nach genau das ausdrückt:

dieses Zwischen-den-Welten-Sein, zwischen Sommer und Herbst, Tag und Nacht, Nord und Süd, warm und kalt.

Es fließt.

Golden.

Es summt und brummt, blüht und wächst nicht mehr leichtfertig, sondern alles weiß, dass die höchste Zeit vorbei ist.

Und verschwendet sich nicht minder.

Im Gegenteil:

Mein Garten blüht in seinem letzten Leuchten auf, bevor die Blätter fallen und die Blüten verwelken. Er hat alles erreicht.

Man hat aber nicht den Eindruck von Verlust, oder von Scheitern, sondern man fühlt, dass genau das der wahre Grund des Seins ist:

das “sich Geben”.

Sich geben bis zum letzten bisschen Energie, zum letzten bisschen Farbe.

Wie ein Lächeln.

Wie Liebe.

Es ist nicht ein Weg-geben, sondern ein Hin-geben.

Der Gesang der Vögel, der Regen, der Sonnenschein, der Schnee, die Herbstblätter: nicht weggegeben, sondern hingegeben, in die Welt, in unsere Ohren und Augen und Herzen, unverstellt, als vollständige Wahrheit.

Und ich kann diesen Sommer nicht aufgeben, ohne mich selbst zu geben, hinzugeben, in das Leben zu geben, mit Haut und Haar.

Diese Schönheit im sich-Hingeben ist das Loblied auf meinen Lippen im Herbst.

 

 

 

 

 

Equinox

My birthday is in autumn. It’s usually right at the parting of summer, when the nights turn cold again, the days still warm up, though, rear up, not wanting to let summer go.

For a short time day and night meet at eye level.

I love this time of year.

Here’s my favorite poem, ever since I was in grade school:

 

September morning

 

The world’s adream in fog’s embrace,

Still slumber woods and meadows:

But soon, through the dissolving lace,

You’ll see the blue of endless space,

The milder grace of autumn’s face

Transcending golden shadows.

(Eduard Mörike)

 

 

I love it, because it talks about exactly that:

the being in between worlds, between summer and autumn, day and night, north and south, warm and cold. It’s all in a flow. Golden.

It doesn’t hum and buzz, grow and bloom all carefree anymore, but everything knows that the highest peak has been climbed.

My garden releases its last radiance, before the leaves fall and the blossoms wither. It has been completed.

Still I don’t feel loss or failure, but I can tell this is the full reason for being: to give continually, to the last bit of energy or color.

Like a smile.

Like love.

The birdsong, the rain, the sunshine, the snow, the autumn leaves: not giving themselves away, but giving themselves into the world, into our eyes and ears and hearts, with no deception, the complete truth of being.

And I cannot give up this summer except by giving myself as well, give myself into life, fully and completely.

The beauty in giving is the praise on my lips in autumn.

Advertisements
 

Zu viel zu tun – zu wenig Zeit September 28, 2016

Schon als Kind hatte ich vielseitige Interessen. Ich habe mir Instrumente beigebracht, mir Hörspiele ausgedacht und aufgenommen, ich habe gesungen, getanzt, gemalt, gelesen. Ich liebte es, Rollschuh zu fahren (und gleichzeitig zu singen), ich interessierte mich sehr für die Natur und Tiere, verbrachte Stunden auf dem Baum in unserem Garten und hing meinen Gedanken nach.

Im Gegensatz zu heute hatte ich damals nie das Gefühl, dass meine Zeit nicht reicht.

Meine Arbeit und meine Interessen sind heute noch genau so vielfältig, allerdings habe ich dauerhaft den Eindruck, dass ich, während ich das eine tue, das andere vernachlässige.

Als ich letzte Woche darüber nachdachte, dass meine Kindheit genau so gefüllt war wie mein Leben jetzt, nur MINUS die Angst, nicht genug Zeit für alles zu haben, wurde mir eines bewusst:

Viele Interessen, viele Dinge, die ich tun oder wissen wollte, haben mich damals nicht gestresst, weil ich voll und ganz eintauchte in das, was ich tat.

Ich hatte Lust an dem, was in diesem Moment meine Wahl war und verschrieb mich mit Haut und Haar, Herz und Verstand. Für diesen Moment, ohne an den nächsten zu denken.

Heute: Multitasking! Ich kann gleichzeitig zu Mittag essen und einen Text schreiben, während unten im Keller die Waschmaschine läuft, das Brot im Backofen backt und ich im Kopf eben aufliste, was heute unbedingt noch erledigt werden muss. Wenn ich komponiere, räume ich zwischendurch mal die Küche auf oder beantworte eMails. Überhaupt muss niemand, der mir SMS schreibt, lange auf eine Antwort warten. Ich kann gleichzeitig Großputz veranstalten, meine Kinder beim Hausaufgabenmachen betreuen, einen Text übersetzen, der miauenden Katze die Tür öffnen und die Post sortieren.

Mein Gehirn kann das, meine Hände und Beine machen mit – aber nicht mein Herz.

Nicht meine Seele.

Die kann nur sein, wo mein Herz ist, und das ist oft zerrissen zwischen Kindern und Karriere, Haushalt und Musik, meiner To-Do-Liste und der Sehnsucht nach Stille. Während ich eine Sache mache, bin ich mir gleichzeitig sehr bewusst, dass es 20 andere Dinge gibt, die ich gerade NICHT mache.

Heute, weiser und klüger (?), muss ich wieder neu einüben, was mir als Kind klar war, ohne dass es mir jemand sagen musste:

… dass meine Seele nur da sein kann, wo ich gerade bin, mit ungeteiltem Herzen. Nur dann kann sie sich öffnen, hat Zeit zum Atmen, Ausströmen, Aufnehmen.

… dass ich genügend Zeit habe, in jedem mir gegebenen Moment, und dass all diese Gedanken und Gefühle von Knappheit zuerst in meinem Kopf existieren, bevor sie sich in meinem Leben manifestieren.

… dass dieser Moment jetzt alles ist, was wirklich wichtig ist.

Und dass Blaise Pascal absolut Recht hat: “Die Weisheit führt uns zur Kindheit zurück.”

 

 

 

Too much to do, too little time

Even as a child I had many interests. I taught myself several instruments, I made up stories and recorded them on my cassette player, I sang, danced, painted, read. I loved rollerblading (and singing at the same time), I was very interested in nature and animals, I spent hours on the tree in our garden and let my mind wander.

Back then, other than today, I never had the feeling that I don’t have enough time.

Today my work and my interests are just as versatile, but I permanently feel that while I do one thing, I miss out on another.

Last week I thought about the fact that my childhood was just as filled as my life now, only MINUS the fear of not having enough time, when I realized something:

Back then I wasn’t stressed by my many interests because I fully engaged in whatever I did at that moment. I had fun with what I had chosen for now and was committed with all my heart and mind.

For that very moment, without thinking about the next one.

Today: multitasking!

I can have lunch and write lyrics at the same time, while the washing machine is running in the basement, the bread is baking in the oven and my mind goes through all the things I still need to do today. Sometimes, while I write music, I clean up the kitchen or answer emails. No one needs to wait a long time for me to answer their texts. I am able to clean the whole house while I oversee my kids doing their homework, and translate lyrics at the same time, opening the door for the meowing cat and sorting through the mail.

My brain is able to do all these things, my hands and legs follow easily – but my heart doesn’t.

Neither does my soul.

My soul can only be where I am with all my heart, and I am torn between children and career, house work and music, my to-do-list and my search for peace. While I am doing one thing I am very aware that there’s about 20 more that I am NOT doing right now.

Today, wiser and smarter (?), I need to learn again what I knew as a child without anyone telling me:

…that my soul can only be where I am wholeheartedly. Only there it can open, breathe, give, take in.

…that I actually do have time enough at any given moment, and that all these thoughts and feelings of scarcity start in my head first before they manifest in my life.

… that the only important thing right now is the actual moment.

And that Blaise Pascal was absolutely right: “ Wisdom is a return to childhood.”

 

Amaryllis November 20, 2015

Ich habe mir vor ein paar Tagen eine Amaryllis gekauft. Einen kleinen grünen Stumpf, eher gesagt, der einmal eine Amaryllis werden soll. Nach nur zwei Tagen war sie schon mächtig gewachsen – ein bisschen schief Richtung Fenster.
Schnell drehte ich den Topf, denn auch in der Anleitung stand ja: “Den Topf drehen, wenn sich die Pflanze zum Licht neigt.”
Wir hatten sie ja alle schon, die vergessenen Blumen, die so schief Richtung Fenster und Sonne gewachsen sind, dass sie ganz schwach und krumm waren. Und die man dann abstützen musste, damit ihre eigene Blüte nicht zu schwer wird und den Stiel abbricht.
Ich ruckelte also so am Topf, und freute mich, dass meine schöne Blume nun in die andere Richtung weiterwachsen würde, als mir plötzlich der Gedanke durch den Kopf schoss: “Das ist wie bei uns.”
Das ist wie bei uns. Wir wachsen zum Licht. 
Der Topf wird gedreht, und wir blicken in die Dunkelheit. In Abgründe, in Schmerzen, in Trauer, in Ängste.
Aber wir drehen uns wieder zum Licht. Schauen auf das Helle und neigen uns dorthin zurück.
Und weil wir immer wieder in Richtung Dunkelheit gedreht werden, und uns immer wieder zum Licht neigen, wachsen wir gerade.
Und werden dadurch stärker. Wie meine Amaryllis. Die schießt kerzengerade, stark und grün und wunderschön nach oben.
Und wenn sie einmal blüht, braucht sie keine gebastelten Stützen. Sie wird stark genug sein. Ihre Blüte in das Licht öffnen und mich mit ihrer Schönheit glücklich machen.
Und mich daran erinnern, das wir das alle auch können: Einander glücklich machen, mit dem, was wir sind.

FullSizeRender

A few days ago I bought an amaryllis flower. A  little green stump, actually, which is supposed to grow into an amaryllis.
After two days only it had grown  quite a bit – a little lopsided, though, towards my window.
I turned the pot, as it said in the instructions that came with my flower: “Turn pot when plant leans towards light.”
We all know of these forgotten flowers that slope towards the window and the sunshine, all crooked.
You have to prop them up somehow so they don’t break when they bloom.
So I turned the pot of my plant, looking forward to seeing it grow up all nice and straight, when all of a sudden I couldn’t help thinking: “This is us.”
This is us. We grow towards the light.
The pot gets turned and we face darkness. We face the abyss, pain, grieve, fear.
But we turn back towards the light. Lean towards the brightness again.
And because we get turned towards darkness and always lean back towards light, we grow up straight.
And become stronger. Just like my amaryllis.
It is sprouting bolt upright, strong and green and beautiful.
And once it blooms, it won’t need propping up. It will be strong enough. It will open its petals and bring me joy with its beauty.
Reminding me that this is something we can do as well: bring each other joy. With what we are.

 

 

 

ON PUTTING ON YOUR SHOES (Ode to my 4 year old) July 1, 2014

I told you to put on your shoes.

You sat down at the doorway, overlooking the big yard.
The sunshine came in through the weeping willow and made little spots on the ground right before you. 
You looked at them. They changed. Why did they change? The wind moved the branches.
The wind was soft, though. It tickled your skin. It smelled like wet grass. It just had rained an hour ago. But there was also a smell of earth. And raspberries. 
The wind made funny noises with the leaves on the tree. You hummed along, looking at the leaves getting moved by the wind, floating, dancing on those long delicate branches. 
A bumblebee buzzed by. You knew it, it has its nest in the wall of our barn. You followed it with your eyes. On the roof of the barn two little birds were sitting. They talked to each other. More birds talked back. The two little birds took off and flew over the roof to meet their friends in the garden.
The lush brown color of the barn against the blue sky. White clouds. Black and red bricks. Green trees. 
Your soccer ball. The swing moving in the wind. 
A little spider tried to crawl under the doormat. You followed it with your finger. You softly blew at it. It stopped moving. Then it continued its travel. You blew again, it stopped again. You smiled. You moved a little over to let it walk past your feet. 
Then you looked up again, held your nose in the breeze, blinked against the sunshine. 
Perfect peace.
Your shoes were standing next to you.
 
I had told you to put on your shoes.
I had done that many times before, then I’d walked away, only to come back 5 minutes later and see you sitting there, with your shoes still next to you, and getting mad at you for not doing what I told you to. 
 
This time I saw what you saw. I smelled what you smelled, I realized what you realized.
The world is one amazing place for our eyes and skins and ears and noses. Our hearts. Our souls.

YOU are the one with the perfect focus.
Keep teaching me, son, please, and don’t ever give up on me and my grown up ways. 
I am still learning.
 

Image

 
 
 

 

 

THANKSGIVING 2 – EIN DANKBARES HERZ November 22, 2012

Filed under: Familie,Gartengeschichten,Uncategorized — daniakoenig @ 6:21 pm

 

 

Thanksgiving fällt ja beinahe mit Sankt Martin zusammen… Nur ein paar Tage dazwischen. 

Und beide Feste verbinden die Gedanken der Dankbarkeit und des Teilens, passen also wunderbar zueinander.

In unserer bikulturellen Familie verbinden wir beide Feiern. 

Abgesehen vom Laternebasteln, Martinslieder singen und Weckmänner backen,  Kürbiskuchen machen und uns auf’s Feiern freuen, haben wir hier zuhause auch noch eine andere Tradition.

 

Anfang November geht es los:

 

jeden Abend setzen wir uns hin, zünden ein Kerzchen in der Latern  an, werden ruhig. Dann überlegt jeder für sich im Stillen, wofür er dankbar ist.

Das wird dann wahlweise laut oder leise aufgezählt. 

Bei uns geht das beispielsweise so:

“Ich bin dankbar, dass meine Kinder gesund sind.”

“Ich bin dankbar, dass ich heute mit Nici spielen konnte.”

 “Ich bin dankbar, dass L. heute Nacht gut geschlafen hat.”

“ Ich bin dankbar, dass die Sonne scheint.”

“ Ich bin dankbar, dass es hier jetzt so gemütlich ist…”

…und so weiter und so fort. Manchmal sind es für uns ganz alltägliche Dinge, wie, Dankbarkeit dafür, dass wir gutes Essen haben, ein Haus, in dem wir wohnen, Klamotten, Freunde, Familie. Manchmal geht es ein bisschen weiter, und wir danken dafür, dass wir in einem Land leben, in dem Friede herrscht, und Menschen sagen dürfen, was sie glauben oder denken. 

 

Wenn man einmal “drin” ist, glaubt man gar nicht, wie viel Grund wir haben zum Danken!

 

Dieses abendliche Ritual tut uns gut. Es öffnet unsere Herzen, unseren Blick, es macht uns fröhlich und zufrieden, und es lässt uns gut schlafen. 

Es macht uns bewusster. Ich gehe durch die Tage und “sammle” meine Dankbarkeit für den Abend, das heißt, ich nehme viel mehr wahr, was mich dankbar macht!

 

Neulich las ich den Satz “Stell dir vor, du wachst morgen auf, nur mit dem, wofür du gestern gedankt hast.” 

Das hat mich beeindruckt. Und auf einmal viel mir noch viel mehr ein, wofür ich dankbar bin!

 

Und dann postete eine Freundin auf facebook “The things you take for granted, someone else is praying for.”

Und wieder wurde mein Horizont ein wenig weiter, und mir fiel noch mehr ein!

 

Das Thema “danken” hat mich so intensiv begleitet in den letzten Tagen, dass ich es einfach weitergeben möchte. 

Es ist mit vielem so, glaube ich:

Wenn man sich auf eine Sache wirklich konzentriert, zieht man irgendwie alles, was damit zu tun hat, magisch an.

 

Mein Interesse an dem “dankbaren Herz” machte natürlich auch vor eifriger Internetrecherche nicht halt, und was – unter vielem anderen – fand ich da??

Genau unser kleines Abendritual als “Therapieform”, so gesehen in dem Buch “Tools” von Phil Stutz und Barry Michels, zwei Phsychiotherapeuten aus Hollywood. Sie empfehlen es als Hilfe gegen Sorgen, Ängste, Grübeleien, es soll sogar helfen gegen reuevolle Gedanken über Vergangenes, es soll von Selbsthass befreien und unser Urteilen über andere verringern.

 

Hmm, denke ich, gutes Buch. Interessant. Und so einfach.

 

…und wussten wir das alle nicht schon längst…?

 

Das ist ein köstlich Ding, dem Herrn danken und lobsingen deinem Namen, du Höchster (Psalm 92, 2)

Lobe den Herrn, meine Seele, und vergiß nicht, was er dir Gutes getan hat. (Psalm 103,2)

Und sagt Dank Gott, dem Vater, allezeit für alles, im Namen unseres Herrn Jesus Christus. (Epheser 5,20)

“Ich danke dir dafür, daß ich wunderbar gemacht bin; wunderbar sind deine Werke; das erkennt meine Seele” (Psalm 139,14)

Gott aber sei Dank für seine unaussprechliche Gabe! (2. Korinther 9,15)

 

Ich glaube, wir werden unser Abendritual definitiv auch nach dem heutigen Feiertag noch beibehalten…

 

In diesem Sinne, Euch allen, ob ihr es nun heute feiert oder nicht: Happy Thanksgiving! 

 

❀❀❀

 

Image

 

 

 

Image

 

EIN HAUS FÜR SHANI (Thanksgiving, Teil 1) November 9, 2012

Filed under: Uncategorized — daniakoenig @ 9:59 pm
Tags: , , , , , ,

 

Bald ist Thanksgiving. 

Hier in den USA ist Thanksgiving das wichtigste Familienfest des Jahres, man trifft sich, isst gut und viel, verbringt Zeit miteinander. Der Truthahn darf natürlich nicht fehlen.

Eigentlich ein Feiertag, der uns als Deutschen relativ fremd ist. Man denkt, es wäre vielleicht ein etwas anderes Erntedank, das ist aber nicht so.

Den Ursprung ihres Festes führen die Amerikaner auf ihre Pilgerväter zurück, die im Herbst 1621 gemeinsam mit den einheimischen Indianern in Massachusetts ein dreitägiges Fest feierten. Die Wampanoag hatten den Kolonisten beigebracht, wie man Mais anbaut – ohne diese Hilfe hätten sie den Winter nicht überlebt. 

Man feiert also nicht nur die “guten Gaben”, sondern Völkerbegegnung, Freundschaft, Hilfsbereitschaft, Hilfe zur Selbsthilfe, Teilen.

 

Und das tun wir dieses Jahr ganz praktisch!

 

Meine Freundin Kati aus Deutschland schrieb dieser Tage einen Rundbrief, der uns sehr getroffen hat. Diesen Brief möchte ich hier anfügen und Euch ganz besonders ans Herz legen:

 

Liebe Familie, liebe Freunde, liebe Kollegen, Freundesfreunde und Bekannte!

 

Wie ihr wisst, haben wir uns kürzlich auf die lange Reise nach Indien gemacht und haben dort eine wunderbare, bunte, besondere und glückliche Zeit verbracht. Rons Vater ist dort in Kattappana in den tropischen südindischen Bergen aufgewachsen und tut dort nun viele gute Dinge, die ich zum Teil mit eigenen Augen bestaunen konnte. Er lässt Straßen und Wege befestigen, unterstützt eine Schule und lässt Häuser und Brunnen für die Ärmsten bauen. Die Spendengelder organisiert er größtenteils über die von ihm gegründete Deutsch-Indische Gesellschaft in Winsen an der Luhe: http://www.dig-winsen.de/html/patenschaft.html

Während meiner Zeit in Kattappana habe ich zufällig eine indische Frau kennen gelernt, die Ron und mir auf einer Wanderung sehr geholfen hat und die ich von der ersten Sekunde liebgewonnen habe. Sie lebt mit ihrem Mann und zwei Kindern in einer kleinen Behausung an einer Böschung – es gibt keine Türen, nur Vorhänge, die Küche hat keine Wände, dort fühlen sich regelmäßig Schlangen zum Essen eingeladen. Im “Haus” gibt es kein Licht und nur ein kleines Bett für alle zusammen in der einzigen kleinen Kammer. Dennoch hat Shani und erhobenen Hauptes mit festem, warmem Händedruck herumgeführt und uns dann erstmal einen Kaffee gekocht. Ihr Mann ist Bauer, wurde aber am Rücken operiert und kann das nächste Jahr nicht auf dem Feld arbeiten, wird also NICHTS verdienen. Die einzige Kuh, die sie hatten, ist vor Kurzem gestorben. Die Situation ist sehr unglücklich!

Shani ist ein ganz, ganz liebenswerter Mensch. Natürlich träumt sie von einem anderen Leben für sich und ihre Familie – so wie viele, viele Menschen in Indien. Ich kann nicht allen helfen, aber ich möchte ganz konkret etwas für Shani tun. Ich möchte, dass die Küche Wände bekommt, dass ein Zimmer angebaut wird, vielleicht sogar ein richtiges Bad – dass das Dach aus Wellpappe in eins verwandelt wird, das dem Monsun trotzt – kurzum, ich wünsche mir ein Haus für Shani. Umgerechnet 2000 Euro kostet es, diesen Wunsch in die Tat umzusetzten. Mein Geburtstagsgeld macht den Anfang und auch meine Weihnachtsgeschenke sollen für Shani in Türklinke, Fensterrahmen und Bettgestell Gestalt annehmen… 

Es würde mir sehr viel  bedeuten, wenn ihr alle dabei mithelft. Es ist in diesem Fall eine sehr persönliche Hilfe, nicht über eine große Organisation, sondern auf diesem direkten Wege, auf dem tatsächlich über Rons Papa jeder Cent ankommt. Und auch, wenn wir hier auch alle nicht reich sind und hier das Geld auch nicht auf der Straße rumliegt: wenn jeder von Euch nur ein paar Euro dazugibt, dann kann Shani mit ihrer Familie vielleicht nächstes Jahr schon in vier neue Wände einziehen. Ein bisschen Geld macht für ihre Familie damit einen riesigen Unterschied, der nicht verpufft, sondern sich in einem Haus manifestiert. Alle Helfer können es natürlich mitverfolgen und bekommen Fotos vom Ergebnis.

Also: Wenn ihr helfen wollt, dann meldet euch bei mir und ich werde das vermitteln. Und vielleicht kennt jeder von Euch ja wiederum auch noch jemanden, der mitmacht…oder hat eine Idee, wie wir weitere Spenden zusammenbekommen. Durch ein Benefizkonzert, einen Flohmarkt, die Kollekte in der eigenen Kirchengemeinde…oderoderoder….

 

Alles Liebe und vielen Dank schonmal, eure Kati

 

 

 

 

 

 

Meine 7jährige hörte sich alles an und konnte mit den Fragen gar nicht mehr aufhören! Daher hat uns Kati noch ein bisschen mehr berichtet:

 

 

Shani hat zwei Kinder, eine Tochter und einen Sohn, die Delona und Frankle heissen und 10, bzw. 15 Jahre alt sind. Delona sieht allerdings eher aus, als wäre sie in J.’ Alter, was aber nicht ungewöhnlich ist, denn indische Kinder (und auch noch junge Erwachsene) sehen für unser Empfinden meisten einige Jahre jünger aus, als sie sind und sind auch insgesamt irgendwie viel zarter und “unschuldiger”. 

Leider waren Delona und Frankle beide Male in der Schule, als wir Shani besucht haben, deswegen haben wir zwar im Haus einige Fotos gesehen, konnten aber selber keine machen… Die Hütte besteht aus einem Raum, der ca. 12qm groß ist. Eigentlich steht nur das Bett drin, also man steht sofort davor, wenn man das “Haus” betritt. Türen gibt es ja nicht, in die Türöffnung haben sie ein Stück Stoff gegängt. Von diesem einzigen Raum, der so dunkel war, das Rons Spiegelreflex darin nicht auslösen wollte, kommt man durch einen kleinen ca. 3 qm großen Durchgang (in dem lauter Klamotten und die einzigen Habseligkeiten gestapelt sind, in die “Küche”, die auch durch einen Vorhang abgetrennt ist. Die Küche hat aber keine richtigen Wände, sondern ist nur eine Art überdachtes Mäuerchen in Hufeisenform, das an die Kammer mit dem Durchgang angebaut ist. Dadurch sind hier oft Schlangen auf der Suche nach etwas Essbarem. Es ist wirklich bestürzend. Ein paar Meter entfernt steht eine Art klitzekleiner Schuppen in der Größe eines Dixieklos – ich habe da nicht reingeschaut, aber das ist das “Bad”, das selbstverständlich weder Dusche noch Toilette hat. Plumpsklos sind im indischen Alltag keine Seltenheit.

 

 J. marschierte nach dem Lesen dieser eMail wortlos in ihr Zimmer und kam mit ihrem Sparschwein zurück. 

Es hat mich zu Tränen gerührt, wie sie den Inhalt auskippte, zählte, und großzügig sortierte.  Und inspiriert. 

Wir haben Shanis Foto und einen übersetzten Text ausgedruckt und an sämtliche amerikanische Freunde und Verwandte  ausgeteilt.  Bald gibt es eine Sammelüberweisung für Shanis Familie aus den USA!

Wir würden uns so sehr freuen, wenn auch ihr helfen möchtet!

Hier sind die Kontodaten der Deutsch-Indischen Gesellschaft, die Katis zukünftigert Schwiegerpapa leitet. Der Betreff wäre dann  

 

“Ein Haus für Shani”

 

Kontoinhaber: Deutsch-Indische Gesellschaft Winsen

Kontonummer: 7097678

BLZ: 20750000

Sparkasse Harburg-Buxtehude

 

http://www.dig-winsen.de/html/patenschaft.html

 

 

Es sind vielleicht nur ein paar Dollar oder Euro, die wir geben. Aber wenn wir etwas von dem teilen, was wir haben, wenn das Leid unserer Mitmenschen uns nicht unberührt lässt, wenn die Dankbarkeit über alles, was uns geschenkt ist, dazu beiträgt, weiterzugeben, dann ist das wirklich THANKSGIVING.

❀❀❀

 

 

Image

 

 

Image