Danias Garten

Vom Pflanzen, Nähren, Blühen und Ernten…

Neujahr January 2, 2019

Filed under: Balance,Familie,Gartengeschichten — daniakoenig @ 4:15 pm

Das neue Jahr liegt vor mir. 365 ungelebte Tage, unbeschriebene Tagebuchseiten, unendlich viele Momente, von denen ich jetzt noch nichts weiß. Wie frische saubere Wäsche liegt das Jahr vor mir, duftend und weich.

Bald wird es Flecken haben, ist ja klar. Die Erfahrung hat mich gelehrt, dass sämtliche guten Vorsätze für das neue Jahr alt werden. Nach Tagen, Wochen, spätestens Monaten ist doch meistens alles wieder beim alten.  Die Liste der Dinge, die ich dieses Jahr schaffen will, ist utopisch: ich will eine aufmerksamere Mutter sein, das Bad renovieren, ein Buch schreiben, mehr Sport machen, ein neues Bühnenprogramm auf die Beine stellen, zwei Produktionen beenden, gesünder essen, mehr Freunde treffen, unseren Keller entrümpeln, mehr Bücher lesen, weniger Kaffee trinken, öfter Date-Night mit meinem Mann haben, mehr in die Natur gehen, mehr Kreativ-Projekte mit den Kindern machen, mehr Zeit mit jedem meiner Kinder einzeln verbringen, seltener gestresst sein.

Ha! Schon beim Aufschreiben dieser Vorsätze wird mir flau im Magen, ich fühle mich überfordert und spüre, dass ich mich hier unweigerlich selbst sabotiere und zum Scheitern verurteile. Durch das Auflisten dieser Pläne entsteht ein Vakuum, am liebsten hätte ich eine Instant-Transformation, einen schnelle-Änderung-Zauberspruch! Aber da ist das ja noch dieses Ding… man nennt es Leben… und das geht seine eigenen Wege. Und meine Pläne rücken in den Hintergrund – die frische Wäsche fällt in den grauen Januar-Matsch.

Und doch: dieses Jahr habe ich wieder neuen Mut! Denn eines ist mir inzwischen klargeworden: wir können uns nicht neu erfinden, wir müssen uns nicht ein Leben erarbeiten, das wir nicht haben. Sicher: wir dürfen träumen, planen, wir dürfen uns ändern, wo es nötig ist! Aber vor allem steht: wir dürfen das Leben, das wir haben, lieben! Dürfen uns, so wie wir sind, auch einfach mal mögen. Wenn ich genauer darüber nachdenke, möchte ich gar nicht so viel verändern, sondern eigentlich viel mehr zufrieden sein mit dem, was ich habe und bin.

Durchatmen und “ja” sagen können zu meinem Alltag, anstatt mich in die Ferien zu wünschen.

“Fragen Sie sich ein paar Mal am Tag, wie Sie sich fühlen,” las ich neulich in einem Magazin, und der zweite Teil des Zitats brachte mich zum Weinen: “und dann hören Sie sich freundlich zu.”

Ja, wir wissen um unsere Gefühle. Aber wie oft verurteilen wir uns ihretwegen. Wollen sie wegwischen, weil wir nicht schwach erscheinen wollen, nicht mal vor uns selbst. “Stell dich nicht so an”, sagen wir zu uns selbst. Wie oft verdrängen wir, wie wir uns wirklich fühlen, haben sogar Angst vor dem, was uns unsere Gefühle sagen. Dabei wäre doch genau das der erste Schritt: sich seiner selbst bewusst zu werden. Und sich freundlich zu gestatten, das zu fühlen, was da ist, das zu sein, was wir sind, hinzusehen, hinzuhören, wahrzunehmen, es zuzulassen.

Das ist der Moment, in dem wir ein Gefühl dafür bekommen könnten, was “Frieden” ist: das Akzeptieren des Wetters im Auge des Sturms. Es nicht ändern zu wollen, uns nicht zu verstecken und dann deswegen schlecht zu fühlen. Sondern hinsehen, durchatmen, freundlich zu uns sein.

Ich habe nach wie vor viele Pläne. Das ist ja auch gut so. Aber das Wichtigste für mich wird dieses Jahr sein, mir selbst freundlich zuzuhören. Meine Grenzen wahrzunehmen und zu achten. Mein Herz sprechen zu lassen. Meiner Intuition zu trauen. Meine Gefühle zu akzeptieren. Mich nicht kleinzureden, zu verurteilen, zum Anders- oder Bessersein zwingen.

Dieses Jahr gibt mir 365 Mal einen neuen Morgen, einen frischen Start. Aber auch 365 Mal einen Mittag, um ein großes Glas Wasser zu trinken und tief durchzuatmen. Und 365 Mal einen Abend, um den Tag zurückzugeben, mir auf die Schulter zu klopfen oder mir zu vergeben, mir freundlich zuzuhören und mich fallenzulassen.

365 Tage, um mich zu lieben, auch mit Grasflecken an den Knien, schmutzigen Händen, verschmierter Schminke, Staub in den Haaren und Schokolade am Hemdkragen.

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