Danias Garten

Vom Pflanzen, Nähren, Blühen und Ernten…

Über den kleinen großen Unterschied, den wir machen June 2, 2014

Filed under: Familie,Gartengeschichten — daniakoenig @ 12:19 pm
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Seit einigen Monaten leben wir wieder in Deutschland.

Nach Wochen des Packens, Reisens, Wartens auf den Container, Auspackens, Einlebens, Anmeldens, Eingewöhnens, haben wir inzwischen wieder eine Routine gefunden. 

D. ist immer wieder wochenlang auf Tour, umso mehr bin ich auf die Mithilfe von Freunden angewiesen. 

Diese Freunde sind einmalig! 

Nicht nur, dass sie uns das Haus, in dem wir derzeit wohnen, während der wenigen Wochen, die zwischen unserer Entscheidung, Amerika zu verlassen und unserem Einzug in die neuen 4 Wände lagen, soweit auf Vordermann gebracht haben, dass wir in das obere Stockwerk einziehen konnten, während unten noch renoviert wurde, nicht nur, dass wir stapelweise Kinderklamotten bekommen haben (vor allem für den Winter, denn dafür waren wir Kalifornier recht kläglich ausgerüstet), nicht nur, dass man uns Hilfe anbot, Brot und Salz und alte Dreiräder brachte oder uns einlud… Nein, diese Freunde sind auch da, wenn mir die Decke auf den Kopf fällt, weil ich 24 Stunden täglich wochenlang am Stück die Alleinverantwortung für diese Familie vertrage, während ich gleichzeitig versuche, Platten zu produzieren oder Songs zu schreiben. 

Und dann gibt es noch die anderen Menschen, die nicht meine Freunde sind, die mir aber genau so viel geholfen haben…

Letzte Woche fuhr ich mit vollen Einkaufstaschen im Auto nach Hause, über die grünen Felder, im Sonnenschein, und hing so meinen Gedanken nach.

Betete im Stillen, dankbar dafür, wieder in Deutschland zu sein, mich aufgehoben und angenommen zu fühlen, von so vielen Menschen, und da tauchten vor meinem geistigen Auge einige mir doch ziemlich fremde Menschen ganz deutlich auf, die mir in den letzten Wochen geholfen haben, und mehr noch: mich glücklich gemacht haben, ohne es zu wissen.

> J.s Grundschullehrerin, die J. so wunderbar aufgenommen hat, und auch ein offenes Ohr für mich hat

> der Mann von der Post, der mir die schweren Pakete, die er angeliefert hatte, bis ins Haus trug

> eine Bekannte, die ich seit Jahren nicht gesehen habe, die mir aber über ihre Agentur einen tollen Job verschafft hat, nachdem sie (über facebook) erfahren hat, dass wir wieder in Deutschland sind 

> L.s Tagesmutter, die einfach eine Seele von Mensch ist, und die L. innerhalb von wenigen Tagen fest in sein kleines Herz geschlossen hat

> alle Erzieherinnen im Kindergarten, die Fionn so herzlich aufgenommen haben, und ihm geholfen haben, in Deutschland und im Kindergarten anzukommen!

> die Kinderärztin, die mir während F.s Lungenentzündung so viel Kraft gegeben hat

 

Während mir diese Menschen so durch den Kopf schwirrten, musste ich unweigerlich denken: “Eigentlich machen sie alle nur ihren Job. 

Ich habe mit ihnen zu tun, weil sie in ihrem Beruf arbeiten, und sie machen eigentlich nur ihren Job.

Aber den machen sie offensichtlich so gut, dass es für mich einen Unterschied macht. Dass es mein Leben oder das meiner Kinder erleichtert oder bereichert.”

 

Vielleicht wissen diese Menschen nicht einmal, dass ihre Arbeit das Leben anderer glücklicher macht.

Vielleicht denkt der Postbote am Abend an die hundertfünfzig Pakete, die er schleppen musste, und ist sich gar nicht bewusst, wie dankbar ich ihm war, dass er meine geschleppt hat.

Vielleicht ist die Grundschullehrerin, die Erzieherin, die Tagesmutter, erschöpft, zählt die Tage bis zu den Ferien, oder knabbert ein einem privaten Problem, und weiß gar nicht, wie positiv sie mein Leben oder das meiner Kinder berührt hat.

 

Vielleicht gehen wir alle abends ins Bett, erschöpft vom Tag, von den täglichen Sorgen, von all den kleinen Kleinigkeiten, die so groß werden können, und uns fällt nicht einmal auf, dass wir heute, genau wie gestern, vorgestern und letzte Woche, für irgendjemanden etwas ganz Besonderes waren.

Das kann die Kassiererin bei ALDI sein, der wir ein Kompliment für ihre tolle Brille gemacht haben, oder unser eigenes Kind, mit dem wir Seifenblasen gepustet haben, der Patient, der Schüler, die Mandantin, der Chef, …

Wir alle sind doch tagtäglich in Berührung mit anderen Menschen, berühren ihr Leben.

 

Trinken wir doch heute Abend ein Glas Wein auf die, die uns unwissend durch unsere Tage helfen, und auf uns selbst, die wir dasselbe, ebenfalls unwissend, für andere tun.

Und auf die verrückte, tolle, große Welt, in der wir uns heute über den Weg gelaufen sind.

 

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