Danias Garten

Vom Pflanzen, Nähren, Blühen und Ernten…

Das Leben ist eine Reise, die immer heimwärts führt June 20, 2013

Ich war noch nie in Kanada
und noch nie auf den Seychellen
Ich hab Israel und Panama
und auch Japan noch nie gesehn
 
doch ich kenne jeden Winkel meiner Seele 
in- und auswendig
alle Pfade, alle Tiefen und jede Höhe
und dort find ich mich
 
Und ihr könnt reisen an die Enden der Erde
ihr könnt klettern auf die Berge dieser Welt
ich weiß jetzt schon, nichts was ihr dort finden werdet
ist was anderes als das, was mich hier hält 
 
 
“Das Leben ist eine Reise, die immer heimwärts führt”, sagt Herman Melville.
Recht hat er.
Für mich ein ganz großes Thema, das Reisen.
Manchmal schnell, manchmal langsam, mit Zwischenstopps, mit Umwegen.
Mit Reisegefährten, und dann wieder schrecklich allein.
 
Und allzu oft haben wir gar nicht so richtig den Überblick, wo es eigentlich hingeht.
Vor allem, wenn Dinge passieren, die wir uns mit unserem beschränkten Verstand einfach nicht erklären können.
Wenn wir das Gefühl haben, stillzustehen, uns eigentlich gar nicht zu bewegen. Festzustecken.
Aber der Wunsch bleibt. Der Wunsch, uns zu bewegen, frei, vorwärts zu blicken, aufwärts, nach vorne zu gehen…
 
 
irgendwann
werden mir flügel wachsen
irgendwann 
werd ich alles hinter mir lassen
irgendwann 
werd ich nichts mehr kleben wollen
werd ich nur noch leben wollen
weiterziehn und leben wollen
 
 
Ich glaube, allzu oft geht es uns um Kontrolle.
Wir wollen die Dinge in der Hand haben, den Kurs bestimmen, die Reiseroute festlegen. Alles im Griff behalten.
Und dabei vergessen wir, was menschlich sein heißt…
 
 
lass das Lenkrad los
es ist ein Lenkrad bloß
und nicht die Straße
 
lass die Blumen stehn
lass sie vom Wind vergehn
und nicht in der Vase
 
 
Bevor wir uns diesem Leben anvertrauen, dieser Reise, die wir eben NICHT im Griff haben, muss meistens irgend etwas passieren. Irgend ein Moment, der uns zeigt, so geht’s nicht. Du bist nicht der Kartenschreiber. Wenn du Glück hast, hast du’n gutes Navi. Aber das war’s dann auch schon. Ob’s Stau gibt, oder Schneesturm, das bestimmst nicht du.
 
Und dann bleiben wir lieber stehen. Aus lauter Angst, den falschen Schritt zu tun. Oder weil wir ganz einfach nicht wissen, wohin der nächste Schritt wohl führt.
Aber: auch das hat auch seinen Sinn.
Manchmal muss man Atem holen. 
Sich besinnen. 
Neue Kraft sammeln. 
Bis wieder Rückenwind kommt. 
Oder ein neuer Frühling.
 
 
Novemberkind
einsam gestrandet
Novemberkind
am Nullpunkt gelandet
Wenn die Zeit verrinnt
sammelst du dich neu
und kein Novemberwind
findet Stellen dich zu fällen
Novemberkind, Novemberkind
 
STRECK DEINE ARME ZUM HIMMEL AUS
HALT DEINE FÜßE IM GRUND ZUHAUS
ATME EIN UND ATME AUS
SPAR DIR DIE KRAFT ZUM BLÜHEN
FÜR’S FRÜHJAHR AUF
 
 
Und dann, dann macht das Leben wieder die Fenster auf…
 
 
Dann macht das Leben
macht wieder die Fenster auf
ich lass die Sonne rein
und den Regen raus
 
und das Leben
macht wieder die Arme weit
es ist höchste Zeit
und ich bin bereit
 
 
 
Und es gibt Menschen, die mit uns reisen, vielleicht noch nicht jetzt, aber bald…
 
 
Ich bete, dass Dein Weg ein schöner ist
bis Du irgendwann ganz bei mir bist
und dass, wenn es regnet, dir irgendwer 
die tausend Blumen zeigt!
bist du zum Blühen bereit?
 
Ich musste dich mein Leben lang vermissen
ich habe dich gesucht, ohne es zu wissen
alles macht Sinn, und alles kommt zur Ruh
wenn wir uns finden, du und ich, ich und du
 
 
Und dann finden wir temporäre Heimat. Das ist ein wunderbares Gefühl. Denn es spiegelt, wohin sie geht, die Reise.
Ich glaube nicht, dass es hier ein Ankommen gibt. Ich glaube, dass wir immer unterwegs sind, solange wir leben; und das ist uns manchmal mehr bewusst, und manchmal weniger.
Weniger vor allem dann, wenn wir uns angekommen fühlen. Angekommen und angenommen. Wenn plötzlich alles so ist, wie wir es uns vorgestellt haben. Das kommt ja nicht oft vor im Leben. 
Aber wenn, dann… wow…
 
Bleib in meinem Arm
ich bring dich heim
Ich halt dich weich und warm 
und bring dich heim
ich weiß wir beide waren
so fern von dem wie es sein
sollte
ich bring dich heim
ich bring dich heim
ich bring dich heim
 
 
Aber ich glaube, dahin kommen wir nicht, wenn wir das Drehbuch schreiben. 
Ich glaube, über die besten Momenten im Leben sagen wir “das hätte ich mir so gut nicht ausdenken können.” Oder? Kennt ihr das?
Über die schlimmsten Momenten auch, ok, geb ich zu.
Aber das ist es wahrscheinlich, das Reisegeheimnis:  Wir sind nicht sonderlich begabt als Reiseführer.
Müssen wir aber auch nicht sein. Alles was wir lernen müssen, ist reisen. 
Hingucken, hinhören. 
Hinfallen, aufstehen, weitergehen. 
Jemanden ein Stück tragen. 
Selbst ein Stück getragen werden. 
Den Sonnenuntergang ganz ganz genau angucken, bis kein Fitzelchen davon mehr übrig ist.
Eintauchen, aufatmen, stehenbleiben. 
Sich sammeln. 
Tagebuch schreiben. 
Wunden verbinden. 
Weiterziehen.
Und jeden Moment genau da sein, wo wir sind. 
 
jeder will immer weit, weit, weit nach vorne
keiner bleibt stehn und sieht sich um 
dabei ist hier alles was zählt
was du gibst und kriegst fließt in diesem moment 
 
hab keine Angst 
nimm meine Hand   
hier bin ich
mehr ist da nicht
 
hab keine Angst 
nimm meine Hand   
hier bin ich
mehr 
ist 
da 
nicht
 
 Image
 

(aus EPK “…heim”, Dania König; alle Texte © Dania König)

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