Danias Garten

Vom Pflanzen, Nähren, Blühen und Ernten…

Die Freude ist überall January 16, 2019

Filed under: Balance,Familie,Gartengeschichten — daniakoenig @ 2:35 pm

 

An einem grauen Tag vor Weihnachten kam mein Mittlerer sehr niedergeschlagen aus der Schule. Eine Freundschaft war zerbrochen, ein Lehrer war ungerecht gewesen, es regnete in Strömen, gab eine Menge Hausaufgaben, und der kleine Bruder war nachmittags verabredet, F. selbst aber nicht.

“Heute ist der schlimmste Tag meines Lebens”, seufzte F., und ich glaube, er glaubte das wirklich.

Der Tag ging auch nicht sonderlich gut für ihn weiter, die Stimmung hielt an, und bis zum Abend musste ich mehrmals Tränen trocknen und trösten.

Am Abend saß die ganze Familie um den Tisch, wir aßen, redeten, lachten ein bisschen, stritten ein bisschen, besprachen den nächsten Tag, alles war wie immer, als plötzlich F.’s glockenhelle Stimme uns unterbrach: 

“Frohe Weihnacht!”, sang er, “Merry Christmas! Seht die Lichter ohne Zahl! 

Frohe Weihnacht! Merry Christmas! Ja, die Freude ist überall!” 

Alle drei Strophen dieses Weihnachtsliedes, das die dritte Klasse dieses Jahr neu gelernt hatte, sang er, ohne zu zögern, ohne zu unterbrechen. Der Rest der Familie hörte andächtig zu, wir spürten irgendwie alle, das hier etwas Besonderes geschah.

Als F. geendet hatte, applaudierten wir alle, F. strahlte von einem Ohr zum anderen. 

Er ging an diesem “schlimmsten Tag seines Lebens” glücklich und zufrieden ins Bett.

Mir ist diese Szene im Gedächtnis geblieben. 

Ich erinnere mich jedes Mal daran, wenn ich nach einem besonders harten Tag erschöpft ins Bett falle. 

Dann denke ich an mein Kind, das mit seinem Singen den Schmerz vertrieben hat.

Wenn wir doch alle unsere Tage so beschließen könnten:

einfach drauflos singen, vielleicht auch mit zitternden Stimmen, dem Tag zum Trotz.

Weil wir wissen, dass die Last weggesungen werden kann.

Mit einem Lied vom Licht, das die Dunkelheit durchbricht.

Einem Lied von der Freude, die überall ist.

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Neujahr January 2, 2019

Filed under: Balance,Familie,Gartengeschichten — daniakoenig @ 4:15 pm

Das neue Jahr liegt vor mir. 365 ungelebte Tage, unbeschriebene Tagebuchseiten, unendlich viele Momente, von denen ich jetzt noch nichts weiß. Wie frische saubere Wäsche liegt das Jahr vor mir, duftend und weich.

Bald wird es Flecken haben, ist ja klar. Die Erfahrung hat mich gelehrt, dass sämtliche guten Vorsätze für das neue Jahr alt werden. Nach Tagen, Wochen, spätestens Monaten ist doch meistens alles wieder beim alten.  Die Liste der Dinge, die ich dieses Jahr schaffen will, ist utopisch: ich will eine aufmerksamere Mutter sein, das Bad renovieren, ein Buch schreiben, mehr Sport machen, ein neues Bühnenprogramm auf die Beine stellen, zwei Produktionen beenden, gesünder essen, mehr Freunde treffen, unseren Keller entrümpeln, mehr Bücher lesen, weniger Kaffee trinken, öfter Date-Night mit meinem Mann haben, mehr in die Natur gehen, mehr Kreativ-Projekte mit den Kindern machen, mehr Zeit mit jedem meiner Kinder einzeln verbringen, seltener gestresst sein.

Ha! Schon beim Aufschreiben dieser Vorsätze wird mir flau im Magen, ich fühle mich überfordert und spüre, dass ich mich hier unweigerlich selbst sabotiere und zum Scheitern verurteile. Durch das Auflisten dieser Pläne entsteht ein Vakuum, am liebsten hätte ich eine Instant-Transformation, einen schnelle-Änderung-Zauberspruch! Aber da ist das ja noch dieses Ding… man nennt es Leben… und das geht seine eigenen Wege. Und meine Pläne rücken in den Hintergrund – die frische Wäsche fällt in den grauen Januar-Matsch.

Und doch: dieses Jahr habe ich wieder neuen Mut! Denn eines ist mir inzwischen klargeworden: wir können uns nicht neu erfinden, wir müssen uns nicht ein Leben erarbeiten, das wir nicht haben. Sicher: wir dürfen träumen, planen, wir dürfen uns ändern, wo es nötig ist! Aber vor allem steht: wir dürfen das Leben, das wir haben, lieben! Dürfen uns, so wie wir sind, auch einfach mal mögen. Wenn ich genauer darüber nachdenke, möchte ich gar nicht so viel verändern, sondern eigentlich viel mehr zufrieden sein mit dem, was ich habe und bin.

Durchatmen und “ja” sagen können zu meinem Alltag, anstatt mich in die Ferien zu wünschen.

“Fragen Sie sich ein paar Mal am Tag, wie Sie sich fühlen,” las ich neulich in einem Magazin, und der zweite Teil des Zitats brachte mich zum Weinen: “und dann hören Sie sich freundlich zu.”

Ja, wir wissen um unsere Gefühle. Aber wie oft verurteilen wir uns ihretwegen. Wollen sie wegwischen, weil wir nicht schwach erscheinen wollen, nicht mal vor uns selbst. “Stell dich nicht so an”, sagen wir zu uns selbst. Wie oft verdrängen wir, wie wir uns wirklich fühlen, haben sogar Angst vor dem, was uns unsere Gefühle sagen. Dabei wäre doch genau das der erste Schritt: sich seiner selbst bewusst zu werden. Und sich freundlich zu gestatten, das zu fühlen, was da ist, das zu sein, was wir sind, hinzusehen, hinzuhören, wahrzunehmen, es zuzulassen.

Das ist der Moment, in dem wir ein Gefühl dafür bekommen könnten, was “Frieden” ist: das Akzeptieren des Wetters im Auge des Sturms. Es nicht ändern zu wollen, uns nicht zu verstecken und dann deswegen schlecht zu fühlen. Sondern hinsehen, durchatmen, freundlich zu uns sein.

Ich habe nach wie vor viele Pläne. Das ist ja auch gut so. Aber das Wichtigste für mich wird dieses Jahr sein, mir selbst freundlich zuzuhören. Meine Grenzen wahrzunehmen und zu achten. Mein Herz sprechen zu lassen. Meiner Intuition zu trauen. Meine Gefühle zu akzeptieren. Mich nicht kleinzureden, zu verurteilen, zum Anders- oder Bessersein zwingen.

Dieses Jahr gibt mir 365 Mal einen neuen Morgen, einen frischen Start. Aber auch 365 Mal einen Mittag, um ein großes Glas Wasser zu trinken und tief durchzuatmen. Und 365 Mal einen Abend, um den Tag zurückzugeben, mir auf die Schulter zu klopfen oder mir zu vergeben, mir freundlich zuzuhören und mich fallenzulassen.

365 Tage, um mich zu lieben, auch mit Grasflecken an den Knien, schmutzigen Händen, verschmierter Schminke, Staub in den Haaren und Schokolade am Hemdkragen.

 

Geschenke December 31, 2018

Filed under: Balance,Familie — daniakoenig @ 2:27 pm
“Das Wichtigste an Weihnachten sind die Geschenke”, sagt mein 6jähriger voller Vorfreude, und etwas in mir will ihm widersprechen: “Moment mal, überleg doch mal, worum es an Weihnachten eigentlich geht! Du kennst doch die Geschichte vom Kind in der Krippe!” 
Aber dann bin plötzlich ich es, die überlegt: 
worum es an Weihnachten eigentlich geht, verlieren wir Großen doch auch andauernd aus den Augen. Natürlich wehren wir uns innerlich gegen die kommerzielle Ausschlachtung des Festes und den ganzen Geschenkewahnsinn, aber dann sind wir doch jedes Jahr wieder mittendrin, Päckchen zu packen und zu beschriften, Karten zu versenden, und Listen anzufertigen, um nur ja um Himmels Willen niemanden und nichts zu vergessen.
“Geschenke”-  das ist an Weihnachten inzwischen ein sehr emotionsgeladener Begriff geworden! 
Dabei geht es an Weihnachten doch wirklich um Geschenke!
Das erste Geschenk kam von einem jüdischen Teenager namens Maria: Selbstlosigkeit! Sie gab ihren eigenen Willen auf, um den Himmel auf die Erde zu bringen.
Das nächste Geschenk war das ihres Verlobten, Josef: Vertrauen! Er glaubte seiner Freundin, dass dieses Kind nicht etwa auf Untreue zurückzuführen wäre, sondern tatsächlich Teil eines großen heiligen Planes war.
Das Kind selbst brachte der Welt diese Geschenke: Vergebung. Ganzheit. Zweite Chancen. Freiheit. Gnade.
Die Geschenke der Engel: eine frohe Botschaft, eine große FreudeFrieden. Die Verkündigung, dass wir keine Angst zu haben brauchen, sondern allen Grund zum Singen haben!
Auch die Hirten schenkten: den Glauben an die unfassbare Botschaft, die Offenheit, mitten in der Nacht aufgrund dieser Botschaft alles stehen und liegen zu lassen und nach Bethlehem zu rennen, die Beherztheit, ihre Geschichte weiterzuerzählen, trotz der Gefahr, ausgelacht oder für verrückt gehalten zu werden.
Weise Männer aus dem Orient  reisten viele heiße und staubige Meilen, um einem Stern zu folgen, der das Kommen des “Königs der Könige” ankündigte. Als sie dann in einem ärmlichen Stall vor einer Krippe standen, anstatt in einem Palast, packten sie dennoch ihre Geschenke aus: Gold, Weihrauch und Myrrhe. Aber auch: Erstaunen, Akzeptanz, Mut.
Sie gaben alle Logik, Vernunft und ihren Verstand auf, um stattdessen staunend das Unmögliche für möglich erachten. Sie akzeptierten dieses Baby an diesem unwirtlichen Ort dennoch als Gottes Sohn und König. Und sie stellten sich mutig gegen den Befehl von König Herodes, um die junge Familie zu schützen, und halfen ihr, seinem mörderischen Vorhaben zu entgehen und in Ägypten einen sicheren Zufluchtsort zu finden.
Und aus der ganzen Geschichte spricht der Geist des Geschenkes der bedingungslosen Liebe.
Oh ja. Das Wichtigste an Weihnachten sind Geschenke. 
Und was für Geschenke! 
Geschenke, die das Alltägliche in etwas Wundersames, Heiliges verwandeln. 
Geschenke, die den Geber und den Empfänger gleichermaßen reich machen:
Selbstlosigkeit, Vertrauen, Vergebung, Ganzheit, Zweite Chancen, Freiheit, Gnade, Freude, Frieden, Glaube, Offenheit, Beherztheit, Erstaunen, Akzeptanz, Mut, bedingungslose Liebe.
Solche Geschenke zu machen!
Unser Herz zu öffnen und solche Geschenke zu empfangen!
Ich blicke in die strahlenden, erwartungsvollen Augen meines Sohnes und sage: 
“Du hast Recht! Das ist das Wichtigste an Weihnachten!”
 

Äquinoktium September 29, 2016

 

Mein Geburtstag ist im Herbst. Meistens ist es gerade der Abschied des Sommers, wenn die Nächte wieder kalt sind, die Tage sich aber oft noch aufwärmen und aufbäumen, und den Sommer nicht gehen lassen wollen.  Für eine kurze Zeit begegnen sich Tag und Nacht auf Augenhöhe.

Ich liebe diese Jahreszeit.  Schon seit der Grundschule ist dies mein Lieblingsgedicht:

Septembermorgen

Im Nebel ruhet noch die Welt,

Noch träumen Wald und Wiesen:

Bald siehst du, wenn der Schleier fällt,

Den blauen Himmel unverstellt,

Herbstkräftig die gedämpfte Welt

In warmem Golde fließen.

(Eduard Mörike)

 

Ich liebe es, weil es meiner Meinung nach genau das ausdrückt:

dieses Zwischen-den-Welten-Sein, zwischen Sommer und Herbst, Tag und Nacht, Nord und Süd, warm und kalt.

Es fließt.

Golden.

Es summt und brummt, blüht und wächst nicht mehr leichtfertig, sondern alles weiß, dass die höchste Zeit vorbei ist.

Und verschwendet sich nicht minder.

Im Gegenteil:

Mein Garten blüht in seinem letzten Leuchten auf, bevor die Blätter fallen und die Blüten verwelken. Er hat alles erreicht.

Man hat aber nicht den Eindruck von Verlust, oder von Scheitern, sondern man fühlt, dass genau das der wahre Grund des Seins ist:

das “sich Geben”.

Sich geben bis zum letzten bisschen Energie, zum letzten bisschen Farbe.

Wie ein Lächeln.

Wie Liebe.

Es ist nicht ein Weg-geben, sondern ein Hin-geben.

Der Gesang der Vögel, der Regen, der Sonnenschein, der Schnee, die Herbstblätter: nicht weggegeben, sondern hingegeben, in die Welt, in unsere Ohren und Augen und Herzen, unverstellt, als vollständige Wahrheit.

Und ich kann diesen Sommer nicht aufgeben, ohne mich selbst zu geben, hinzugeben, in das Leben zu geben, mit Haut und Haar.

Diese Schönheit im sich-Hingeben ist das Loblied auf meinen Lippen im Herbst.

 

 

 

 

 

Equinox

My birthday is in autumn. It’s usually right at the parting of summer, when the nights turn cold again, the days still warm up, though, rear up, not wanting to let summer go.

For a short time day and night meet at eye level.

I love this time of year.

Here’s my favorite poem, ever since I was in grade school:

 

September morning

 

The world’s adream in fog’s embrace,

Still slumber woods and meadows:

But soon, through the dissolving lace,

You’ll see the blue of endless space,

The milder grace of autumn’s face

Transcending golden shadows.

(Eduard Mörike)

 

 

I love it, because it talks about exactly that:

the being in between worlds, between summer and autumn, day and night, north and south, warm and cold. It’s all in a flow. Golden.

It doesn’t hum and buzz, grow and bloom all carefree anymore, but everything knows that the highest peak has been climbed.

My garden releases its last radiance, before the leaves fall and the blossoms wither. It has been completed.

Still I don’t feel loss or failure, but I can tell this is the full reason for being: to give continually, to the last bit of energy or color.

Like a smile.

Like love.

The birdsong, the rain, the sunshine, the snow, the autumn leaves: not giving themselves away, but giving themselves into the world, into our eyes and ears and hearts, with no deception, the complete truth of being.

And I cannot give up this summer except by giving myself as well, give myself into life, fully and completely.

The beauty in giving is the praise on my lips in autumn.

 

Zu viel zu tun – zu wenig Zeit September 28, 2016

Schon als Kind hatte ich vielseitige Interessen. Ich habe mir Instrumente beigebracht, mir Hörspiele ausgedacht und aufgenommen, ich habe gesungen, getanzt, gemalt, gelesen. Ich liebte es, Rollschuh zu fahren (und gleichzeitig zu singen), ich interessierte mich sehr für die Natur und Tiere, verbrachte Stunden auf dem Baum in unserem Garten und hing meinen Gedanken nach.

Im Gegensatz zu heute hatte ich damals nie das Gefühl, dass meine Zeit nicht reicht.

Meine Arbeit und meine Interessen sind heute noch genau so vielfältig, allerdings habe ich dauerhaft den Eindruck, dass ich, während ich das eine tue, das andere vernachlässige.

Als ich letzte Woche darüber nachdachte, dass meine Kindheit genau so gefüllt war wie mein Leben jetzt, nur MINUS die Angst, nicht genug Zeit für alles zu haben, wurde mir eines bewusst:

Viele Interessen, viele Dinge, die ich tun oder wissen wollte, haben mich damals nicht gestresst, weil ich voll und ganz eintauchte in das, was ich tat.

Ich hatte Lust an dem, was in diesem Moment meine Wahl war und verschrieb mich mit Haut und Haar, Herz und Verstand. Für diesen Moment, ohne an den nächsten zu denken.

Heute: Multitasking! Ich kann gleichzeitig zu Mittag essen und einen Text schreiben, während unten im Keller die Waschmaschine läuft, das Brot im Backofen backt und ich im Kopf eben aufliste, was heute unbedingt noch erledigt werden muss. Wenn ich komponiere, räume ich zwischendurch mal die Küche auf oder beantworte eMails. Überhaupt muss niemand, der mir SMS schreibt, lange auf eine Antwort warten. Ich kann gleichzeitig Großputz veranstalten, meine Kinder beim Hausaufgabenmachen betreuen, einen Text übersetzen, der miauenden Katze die Tür öffnen und die Post sortieren.

Mein Gehirn kann das, meine Hände und Beine machen mit – aber nicht mein Herz.

Nicht meine Seele.

Die kann nur sein, wo mein Herz ist, und das ist oft zerrissen zwischen Kindern und Karriere, Haushalt und Musik, meiner To-Do-Liste und der Sehnsucht nach Stille. Während ich eine Sache mache, bin ich mir gleichzeitig sehr bewusst, dass es 20 andere Dinge gibt, die ich gerade NICHT mache.

Heute, weiser und klüger (?), muss ich wieder neu einüben, was mir als Kind klar war, ohne dass es mir jemand sagen musste:

… dass meine Seele nur da sein kann, wo ich gerade bin, mit ungeteiltem Herzen. Nur dann kann sie sich öffnen, hat Zeit zum Atmen, Ausströmen, Aufnehmen.

… dass ich genügend Zeit habe, in jedem mir gegebenen Moment, und dass all diese Gedanken und Gefühle von Knappheit zuerst in meinem Kopf existieren, bevor sie sich in meinem Leben manifestieren.

… dass dieser Moment jetzt alles ist, was wirklich wichtig ist.

Und dass Blaise Pascal absolut Recht hat: “Die Weisheit führt uns zur Kindheit zurück.”

 

 

 

Too much to do, too little time

Even as a child I had many interests. I taught myself several instruments, I made up stories and recorded them on my cassette player, I sang, danced, painted, read. I loved rollerblading (and singing at the same time), I was very interested in nature and animals, I spent hours on the tree in our garden and let my mind wander.

Back then, other than today, I never had the feeling that I don’t have enough time.

Today my work and my interests are just as versatile, but I permanently feel that while I do one thing, I miss out on another.

Last week I thought about the fact that my childhood was just as filled as my life now, only MINUS the fear of not having enough time, when I realized something:

Back then I wasn’t stressed by my many interests because I fully engaged in whatever I did at that moment. I had fun with what I had chosen for now and was committed with all my heart and mind.

For that very moment, without thinking about the next one.

Today: multitasking!

I can have lunch and write lyrics at the same time, while the washing machine is running in the basement, the bread is baking in the oven and my mind goes through all the things I still need to do today. Sometimes, while I write music, I clean up the kitchen or answer emails. No one needs to wait a long time for me to answer their texts. I am able to clean the whole house while I oversee my kids doing their homework, and translate lyrics at the same time, opening the door for the meowing cat and sorting through the mail.

My brain is able to do all these things, my hands and legs follow easily – but my heart doesn’t.

Neither does my soul.

My soul can only be where I am with all my heart, and I am torn between children and career, house work and music, my to-do-list and my search for peace. While I am doing one thing I am very aware that there’s about 20 more that I am NOT doing right now.

Today, wiser and smarter (?), I need to learn again what I knew as a child without anyone telling me:

…that my soul can only be where I am wholeheartedly. Only there it can open, breathe, give, take in.

…that I actually do have time enough at any given moment, and that all these thoughts and feelings of scarcity start in my head first before they manifest in my life.

… that the only important thing right now is the actual moment.

And that Blaise Pascal was absolutely right: “ Wisdom is a return to childhood.”

 

Amaryllis November 20, 2015

Ich habe mir vor ein paar Tagen eine Amaryllis gekauft. Einen kleinen grünen Stumpf, eher gesagt, der einmal eine Amaryllis werden soll. Nach nur zwei Tagen war sie schon mächtig gewachsen – ein bisschen schief Richtung Fenster.
Schnell drehte ich den Topf, denn auch in der Anleitung stand ja: “Den Topf drehen, wenn sich die Pflanze zum Licht neigt.”
Wir hatten sie ja alle schon, die vergessenen Blumen, die so schief Richtung Fenster und Sonne gewachsen sind, dass sie ganz schwach und krumm waren. Und die man dann abstützen musste, damit ihre eigene Blüte nicht zu schwer wird und den Stiel abbricht.
Ich ruckelte also so am Topf, und freute mich, dass meine schöne Blume nun in die andere Richtung weiterwachsen würde, als mir plötzlich der Gedanke durch den Kopf schoss: “Das ist wie bei uns.”
Das ist wie bei uns. Wir wachsen zum Licht. 
Der Topf wird gedreht, und wir blicken in die Dunkelheit. In Abgründe, in Schmerzen, in Trauer, in Ängste.
Aber wir drehen uns wieder zum Licht. Schauen auf das Helle und neigen uns dorthin zurück.
Und weil wir immer wieder in Richtung Dunkelheit gedreht werden, und uns immer wieder zum Licht neigen, wachsen wir gerade.
Und werden dadurch stärker. Wie meine Amaryllis. Die schießt kerzengerade, stark und grün und wunderschön nach oben.
Und wenn sie einmal blüht, braucht sie keine gebastelten Stützen. Sie wird stark genug sein. Ihre Blüte in das Licht öffnen und mich mit ihrer Schönheit glücklich machen.
Und mich daran erinnern, das wir das alle auch können: Einander glücklich machen, mit dem, was wir sind.

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A few days ago I bought an amaryllis flower. A  little green stump, actually, which is supposed to grow into an amaryllis.
After two days only it had grown  quite a bit – a little lopsided, though, towards my window.
I turned the pot, as it said in the instructions that came with my flower: “Turn pot when plant leans towards light.”
We all know of these forgotten flowers that slope towards the window and the sunshine, all crooked.
You have to prop them up somehow so they don’t break when they bloom.
So I turned the pot of my plant, looking forward to seeing it grow up all nice and straight, when all of a sudden I couldn’t help thinking: “This is us.”
This is us. We grow towards the light.
The pot gets turned and we face darkness. We face the abyss, pain, grieve, fear.
But we turn back towards the light. Lean towards the brightness again.
And because we get turned towards darkness and always lean back towards light, we grow up straight.
And become stronger. Just like my amaryllis.
It is sprouting bolt upright, strong and green and beautiful.
And once it blooms, it won’t need propping up. It will be strong enough. It will open its petals and bring me joy with its beauty.
Reminding me that this is something we can do as well: bring each other joy. With what we are.

 

 

 

Look at me! March 6, 2015

This morning I realized something.
My 4 year old son called out: “Mama, look at me!” And he showed me how he could jump on one leg over the bathroom rug. Which didn’t go very well, but he kept trying and wanting to show me.

I remembered all the “Mama, look at!”s I have heard in my life so far, and deep inside me I started to understand where they come from:
More than anything else we want to be seen.
We want to feel connected to the people around us, we want them to see who we are, what we do.
It doesn’t get less when we get older.
It only becomes more painful.
Because we reach out to people that are NOT our Mom and Dad, who know us inside out, and who (hopefully) never stop answering when we show ourselfes.
Now we reach out to strangers. People that we give power over us, a power to decide whether we’re good or bad, beautiful or ugly, genius or only medium or completely useless.
And the worst part: they’re not even aware!
They might say something or not say what we wanted them to say, accidently, without thinking, and our world crumbles.
What a mess!
And it becomes more complicated, because after a while we edit what we show. We’re not only editing for facebook, we are editing for everyone in our life. Only showing the pretty face. With a lot of photoshopping before we put it out there. Keeping the fear and the vulnerability to ourselfes.
How do we expect to be seen, then?
And so we are lonely. We keep reaching out, but we’re never fully satisfied with what we get back. We shout: “Look at me!”, and we show our jumping over bathroom rugs, but maybe no one’s interested and we may never hear “well done!”
We sit down, exhausted, and wonder: why jump if nobody’s looking?

This is what I felt like this morning: Lonely. Exhausted. Wondering: why jump?
…when my 4 year old called out: “Mama, look!!!”
And I looked.
And I saw. And I answered. And I gave him what he needed.
Christian tradition teaches us that giving is more blessed than receiving.
Perhaps we have to learn this all over again, on many levels.
Maybe I have to look even deeper than before. Not ruminating over “who is seeing me? Who is praising me?” It is in our nature that we want to be seen, I know that.
But in times that we’re not seen or heard, it doesn’t mean that there’s nothing left for us to do. We can turn the whole thing around and open our eyes.
It doesn’t have to be about you. You want it to be. But maybe it’s more about what you see. What you look at. About who you see. And what answer you give to them.

So, today, I will turn around to every single “Look at me!!!”, and give.
Give my time, my attention. Mary Oliver writes: “Attention is the beginning of devotion.”
And devotion is a form of love.
And love is what it all comes down to anyway. Right?

And now, please excuse me, my sons want to show me how they ride their bikes…

Look at!